Wärmedämmung

Warum dämmen wir unsere Häuser eigentlich?

Historisch betrachtet tun wir dieses noch gar nicht so lange.  Seitdem der Mensch die Höhlen verlassen hat und die ersten künstlichen Behausungen – zunächst Zelte, dann feste Behausungen – geschaffen hat, sind inzwischen mehrere zehntausend Jahre vergangen.  Zwar reichen die ersten mit trockenem Gras gedämmten Konstruktionen bis in die Bronzezeit zurück, sind also bereits vor ca. 3.000 bis 4.000 Jahren gebaut worden.  Für unsere Vorfahren stand dabei aber mehr der Schutz vor der bitteren Kälte als die Einsparung von Brennholz im Vordergrund.  Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war es auch durchaus üblich, nur einen einzigen Raum im gesamten Haus zu beheizen – der Rest blieb ganz einfach kalt.  Wir sind also zehntausende von Jahren prima ohne Energieeinsparung ausgekommen.  Warum soll das heute also anders sein?

Nun, bis noch vor ungefähr hundert Jahren hatte der druchschnittliche Bewohner in unseren Breitengraden unter Bedingungen zu leben, die wir heute als unmenschlich bezeichnen würden: starke Umweltverschmutzung, geringe Löhne, harte Arbeitsbedingungen, überbevölkerte Städte.  Ganzen Familien stand oft nur ein einziger Wohnraum zur verfügung.  Wenn es zu kalt wurde, musste halt ein weiteres Stück Holz in den Ofen – wenn es denn vorhanden war.  Zu dieser Zeit wäre niemand auf die Idee gekommen, ein Haus energieeffizient umzubauen.  Man hatte ganz einfach andere Probleme.

In den dreißiger Jahren schuf man dann mit der „Charta von Athen“ die Bedingungen, mit denen der Städtebau endlich den Bedürfnissen der Menschen gerecht werden sollte.  Dann kam jedoch der zweite Weltkrieg, der dieses Thema erst einmal in den Hintergrund drängte.

Erst seit den 1960er Jahren ist der Anspruch an den Wohnkomfort parallel zum materiellen Wohlstand dann deutlich gestiegen.  Also wurden Zentralheizungen mit fossilen Brennstoffen in großer Zahl verbaut, bei denen der Verbrauch zunächst noch nicht sehr relevant war: Öl war billig.  Erst die Ölkrise im Jahre 1973 zwang die Menschen zum ersten Mal, über Einsparmöglichkeiten nachzudenken.  Und so schuf man im Jahre 1977 dann die erste Wärmeschutzverordnung (WSchVO), die 1982 und 1995 überarbeitet wurde und 2002 dann von der Energieeinsparverordnung (EnEV) abgelöst wurde.  Auch diese ist seitdem permanent weiterentwickelt worden.  Zusammenfassend: über die Energieeinsparung durch Dämmung machen wir uns also erst seit gerade einmal einem halben Jahrhundert Gedanken.  Davor hatte unser Land ganz einfach viel größere Probleme wie Armut, Krankheit oder Kriege.  Umweltschutz war noch kein Thema.

Mit den jeweiligen Überarbeitungen der Wärmeschutzverordnung und der Energieeinparverordnung sind die Anforderungen an die Energieeffizienz von Gebäuden stets gestiegen.  Ehrgeiziges Ziel der Bundesregierung: bis 2050 soll unser Gebäudebestand „nahezu klimaneutral“ sein.  Das ist auf jeden Fall ein ehrwürdiges und absolut notwendiges Ziel.  Und dieses zu erreichen erfordert die auf der vorigen Seite bereits erwähnten Maßnahmen – also auch die Dämmung der Gebäudehülle gegen Wärmeverluste.

Ist Dämmung nicht eigentlich unnötig?

Dämmung ist genauso unnötig wie der Katalysator an Ihrem Auto: das Ding kostet Geld und der Wagen wird dadurch noch nicht einmal schneller.  Aber: im Hinblick auf die Umweltverschmutzung war der Kat nun einmal eine sehr hilfreiche Maßnahme, weshalb seit Ende der achtziger Jahre Autos in Deutschland nur noch mit Katalysator gebaut werden dürfen.

Genauso verhält es sich mit der Dämmung unserer Häuser: so wie heute niemand mehr auf die Idee käme, den Sinn von Katalysatoren in Frage zu stellen, so wird sich auch das energieeffiziente Wohngebäude zu einem Standard entwickeln, den unsere Kinder und Enkel einmal als selbstverständlich ansehen werden.

Lassen Sie sich aber auch nichts vormachen: jawohl, gedämmte Gebäude bieten einen deutlich spürbar höheren Wohnkomfort.  Jawohl, die Kosten für die Dämmung werden sich amortisieren und Sie werden somit langfristig Geld sparen.  Dennoch sind diese Argumente nur zweitrangig: denn der eigentliche Zweck ist die Verringerung des CO2-Ausstoßes.  Das muss Ihnen klar sein.  Denn der Klimaschutz ist das einzige nicht weg zu diskutierende Argument beim Für und Wider von Dämmung.  Er ist ganz einfach unumgehbar.

Als erstes werden wir aber eine Menge Geld in die Hand nehmen müssen, um ein ungedämmtes Haus zu dämmen.  Das tut weh.  Und das macht uns natürlich empfänglich für die vielen in Fernsehen und Internet zu findenden Schauergeschichten, was denn in gedämmten Häusern alles so schiefläuft.

Aber die Häuser schimmeln und die Dämmung brennt und man spart doch sowieso nichts…

Auf den kommenden Seiten werden wir noch auf ein paar bauphysikalische Details eingehen.  Zunächst sollten wir uns aber alle einmal in Ruhe zurücklehnen und unseren Gedanken mit Hilfe des gesunden Menschenverstandes etwas freien Lauf lassen:

  • Gedämmte Häuser schimmeln: Wir alle haben von diesen Horrorgeschichten mehr also genug in Fernsehen und Internet gehört:  Ein gedämmtes Haus ist dicht, kann nicht atmen und schimmelt daher.  Ist es wirklich so?  Das können Sie gern einfach selbst überprüfen: machen Sie doch einfach einmal einen Spaziergang durch ein Wohngebiet in Ihrer Nähe, das ca. in den letzten zehn Jahren entstanden ist.  Lassen Sie Ihren Blick in Ruhe über diese Häuser schweifen.  Wir haben hunderttausende Häuser aus dieser Bauzeit in Deutschland und sie sind alle wärmegedämmt; sie sollten für Sie also leicht zu finden sein.  Trauen Sie sich, den einen oder anderen Bewohner einmal über den Zaun anzusprechen, wenn er gerade im Garten buddeln sollte: „Haben Sie Schimmel im Haus?“  Sie werden nahezu ausschließlich ein „Nein“ in Verbindung mit einem Lächeln zurückerhalten.  Fakt ist: ein gedämmtes Gebäude kann nicht schimmeln, einfach nur weil es gedämmt ist.  Die Bewohner werden Ihnen viel eher über ein sehr angenehmes Wohnklima und trockene Wände berichten.  Wenn sich Feuchtigkeit und Schimmel hinter einer gedämmten Fassade befinden, hat irgendeiner etwas falsch gemacht: der Bewohner, der Planer oder der Handwerker.  Um Sie aber zu beruhigen: abgesehen von ein paar schwarzen Stellen in den Silikonfugen der Dusche ist die ganz überwiegende Zahl deutscher Häuser grundsätzlich frei von Schimmel – egal ob gedämmt oder nicht.  Die in den Medien gern gezeigten Schimmelbauten sind ganz einfach sehr, sehr selten.
  • Dämmung spart keine Energie ein: Auch das können Sie selbst klären.  Wenn Sie sowieso gerade spazierengehen: fragen Sie die selben Bewohner doch einmal nach der ungefähren Wohnfläche und den jährlichen Heizkosten.  Teilen Sie die Kosten durch die Wohnfläche.  Damit haben Sie in ganz grober Form quasi einen kleinen Energieausweis für dieses Haus erstellt: Sie wissen ungefähr , wieviel Euro Heizkosten dieses Haus pro Quadratmeter Wohnfläche und pro Jahr verbraucht.  Tun Sie dieses für mehrere Häuser auf Ihrem Spaziergang.  Außerdem für Ihr eigenes, das Ihres Nachbarn und ein paar Ihrer Freunde.  Vergleichen Sie die Werte gedämmter und ungedämmter Häuser.  Sie werden das feststellen, was Ihr gesunder Menschenverstand längst vermutet hat: ein gedämmtes Haus verbraucht selbstverständlich deutlich weniger Energie.  Auch wenn immer wieder selbsternannte Experten anhand theoretischer Berechnungen versuchen zu beweisen, dass es nicht so ist.
  • Dämmung ist brennbar: Auch mit dem Szenario brennender Dämmplatten aus Polystyrol sind Sie vielleicht schon einmal konfrontiert worden.  Richtig ist, dass Polystyrol ein brennbarer Kunststoff ist.  In Verbindung mit den entsprechenden Putzen (also als komplettes so genanntes Wärmedämmverbundsystem)  gilt es zwar als schwer entflammbar, aber wenn es einmal Feuer gefangen hat, ist kann es Brände sogar beschleunigen.  Doch auch hier können wir beruhigt sein: erstens können Sie das Problem selbst lösen, indem Sie statt Polystyrol einfach z.B. Mineralwolle wählen.  Diese ist absolut unbrennbar, denn sie besteht aus geschmolzenen und zerfaserten Gesteinen.  Zweitens ist das Verwenden brennbarer Baustoffe an Fassaden eigentlich gar nichts ungewöhnliches, weil es brandschutztechnisch relativ unbedenklich ist: denken Sie einfach einmal an eine simple Holzfassade.  Brände von Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) sind trotz der stetig wachsenden Zahl gedämmter Fassaden so selten, dass sie statistisch gesehen völlig irrelevant sind.  Wir alle sollten uns daher weitaus mehr Sorgen über unsere Elektrogeräte im Haus machen, denn die sorgen für die meisten Brände.  Und dabei entzünden sich dann die Dinge innerhalb der Wohnung: Gardinen, Möbel und dergleichen.
  • Dämmung ist umweltschädigend: Zugegeben – expandiertes Polystyrol (EPS), so wie wir es großflächig an unseren Fassaden anbringen, hat Nachteile gegenüber anderen Dämmstoffen.  Es ist nach der Demontage von Fassaden aufgrund der Verunreinigungen mit Klebern u.a. kaum zu recyceln und wird ohne Lichteinwirkung biologisch nicht abgebaut.  Das Fraunhofer Institut hat ein Verfahren für ein effektives Recycling entwickelt, das aber in der Praxis momentan noch kaum angewendet wird.  Daher gibt es in der Tat ökologisch bessere Varianten aus Mineralfasern, Holzfasern, Schafwolle, Kokosfasern, Altpapier oder Gräsern, um nur einige zu nennen.  Polystyrol ist aber günstig zu haben, weshalb viele Immobilienbesitzer allein schon aufgrund der höheren Kosten und der daraus resultierenden längeren Amortisation auf ökologische Alternativen verzichten.  Dennoch: Die Energieeinsparung durch mit Polystyrol gedämmten Fassaden ist so hoch, dass die Energiebilanz eines Wärmedämmverbundsystems insgesamt eindeutig positiv ist.  Anders ausgedrückt: besser mit EPS dämmen als gar nicht.
Was sollen wir also tun?

Zusammengefasst soll das bedeuten, dass Sie das Thema Dämmung ruhig und nicht zu emotional angehen sollten.  Die Aussage, dass eine Dämmung grundsätzlich sinnvoll ist, haben Sie aus den vorstehenden Zeilen sicherlich herausgelesen.

Ihre persönliche Entscheidung für oder gegen eine Dämmung und die Frage nach der Art der Dämmung müssen Sie aber nun einmal selbst treffen – am besten mit einer fachkundigen Beratung für Ihre konkrete Situation.  Dabei sollten Sie Ihre Entscheidung nach folgenden Kriterien treffen:

  • Dämme ich oder lasse ich es:  Bei einem Neubau stellt sich gar nicht die Frage, ob Sie dämmen.  Ohne wäre Ihr Haus gar nicht genehmigungsfähig.  Sie haben aber natürlich verschiedene Möglichkeiten, wie Sie die strengen gesetzlichen Anforderungen erfüllen: zum Beispiel durch die Verwendung unterschiedlicher Dämmstoffe, die sich in Bezug auf Ökologie, Kosten, Energieeffizienz oder Verwendungsmöglichkeit durchaus unterscheiden.  Bei einem ungedämmten Altbau haben Sie hingegen durchaus die Wahl, eine solche Maßnahme duzurchführen oder eben auch nicht: vielleicht planen Sie ja in absehbarer Zeit den Verkauf Ihres Hauses und überlassen diese Investition dann lieber Ihrem Nachfolger.  Denn die junge Familie hat vielleicht ganz andere Vorstellungen bezüglich Art, Umfang, Ökologie und architektonischer Wirkung.  Außerdem plant sie, die nächsten fünfzig Jahre in dem Haus zu wohnen.  Da sieht das mit der Amortisation der Kosten schon ganz anders aus als bei dem Rentnerehepaar, dessen Kinder längst aus dem Haus sind.  Die Entscheidung ob Sie eine Maßnahme durchführen oder ob es nicht vielleicht besser ist abzuwarten, muss also ebenfalls erst einmal durchdacht werden.  Lassen Sie sich also nicht drängen, sondern beraten!
  • Welches Einsparpotential ergibt sich: Sie kennen die Werbebotschaft „Bis zu … Prozent Energieeinsparung“.  Beachten Sie das „bis zu“!  Es muss für jedes einzelne Haus separat ermittelt werden, welche Maßnahme wie viel Einsparung bringt.  Seien Sie also nicht enttäuscht, wenn die Einsparmöglichkeiten aus der Werbeanzeige bei Ihrem Haus nicht erreicht werden: Dämmung spart Energie und damit Kosten und erhöht auch den Wert Ihrer Immobilie – aber eben langfristig und nicht unbedingt in dem Maße, in dem uns die Werbung das glauben machen will.  Setzen Sie also bitte Ihre Erwartungen nicht anhand einer Werbeanzeige fest, sondern eher anhand der Beratung eines Energieberaters oder Architekten.
  • Welche Art von Dämmung bietet sich an:  Ein Fachwerkhaus aus dem 17. Jahrhundert würden wir sicherlich nicht mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen.  Die Putzfassade aus den Fünfzigern vielleicht schon.  Ein Holzrahmenbau bietet wiederum andere Möglichkeiten.  Das muss für Ihre Fassade einzeln bewertet und entschieden werden.  Gleiches gilt für das Dach.  Oder die Kellerdecke, die oberste Geschossdecke, die Kelleraußenwände usw.  Auch muss für jedes Haus und jede Maßnahme einzeln die jeweils beste Entscheidung getroffen werden.
  • Was jetzt, was später: Es gibt Maßnahmen, die sich „nebenbei“ erledigen lassen.  So lässt sich bei vielen Häusern beispielsweise die oberste Geschossdecke dämmen, indem Sie auf dem Dachboden die Holzdielen lösen und von oben den Raum zwischen den Holzträgern dämmen.  Eine solche Maßnahme können Sie durchführen, während in den Zimmern darunter Ihre Kinder spielen.  Im Gegensatz dazu gibt es aber Maßnahmen, die Sie nur im Zuge „größerer“ Baustellen durchführen sollten:  beispielsweise ist es sinnvoll, eine Fassadendämmung mit dem Austausch der Fenster oder die Elektroverkabelung mit dem Tapezieren zu kombinieren.  Außerdem muss auch nicht alles sofort passieren – Zeit und Geld sind ja nun einmal nicht unendlich vorhanden.  Mit einer guten Planung kann es also sinnvoll sein, alles etwas zu entzerren.